Praxisbeispiele

Eine Person bereitet Munggn zu.

Munggn – klimafitte Kulinarik & Anbau

Bildung Tourismus Landwirtschaft Gesundheit Querschnittprojektalpiner Raum

Die Klimaveränderung wird im Mölltal längere Vegetationsperioden mit sich bringen. Das eröffnet der lokalen Landwirtschaft die Chance, Getreidesorten, die im letzten Jahrhundert wegen zu kurzen Reifeperioden nicht mehr angebaut wurden, wieder vermehrt anzubauen. Die „Munggn“ steht im Mölltal für ein traditionelles Gericht, das bereits seit der Goldbergbauzeit in unterschiedlichen Formen auf den Tisch kommt. Sowohl der Anbau der Getreidearten, als auch die Auf- und Zubereitung der Munggn ist gut überliefert und kann sowohl für Einheimische als auch Tourist:innen neuzeitlich interpretiert werden. Mit der KLAR! Maßnahme Munggn wurden diese Ansatzpunkte „Klimawandelanpassung - Tradition – Neuinterpretation – Chancen für lokale Landwirtschaft & Tourismus“ miteinander verknüpft. Über dieses gut verankerte regionale Nahrungsmittel wurde auch die Bevölkerung verstärkt angesprochen. Dazu wurden unterschiedliche Herangehensweisen gewählt: So wurden zahlreiche Recherchen über vorhandene traditionelle Munggn-Rezepte und über aktiven Getreide- und Saubohnenanbau  in der KLAR! Region und darüber hinaus betrieben. Mittels Preisausschreiben wurde nach traditionellen und neu interpretierten Munggn-Rezepten gesucht und die besten drei Rezepte prämiert. Bei einem Schaukochen mit dem aus der KLAR! Region stammenden Haubenkoch Hans-Peter Sander wurden neuzeitlich interpretierte, „klimafitte“Munggn-Gerichte ausprobiert und dokumentiert. Damit der „Nährwert“ der Munggn auch wissenschaftlich abgesichert ist, wurde die Munggn vom FH Joanneum in Graz untersucht. Die durchaus positiven Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Untersuchung wurden in unserem Munggn-Rezeptefolder als „Wissenswertes“ angeführt. Als touristisches Produkt haben wir für den Alpe-Adria-Trail einen Prototypen eines „Munggn-Jausen-Pakets“ hergestellt.  Ebenso wurde im Rahmen der Maßnahme von der Wiener Künstlerin Marie Kainz ein Prototyp eines Munggn-Keramik-Geschirrs hergestellt. Als Abschluss der Maßnahme wurde im ehemaligen Kloster Döllach eine Munggn-Veranstaltung mit Verkostung durchgeführt, bei der Mölltaler:innen auch selbst Munggn verkocht und zur Verkostung bereit gestellt haben. Die Gäste erhielten zum Mit-nach-Hause-nehmen eine Munggn-Kostprobe (Munggn aus Großkirchheim, Honig aus Winklern, Preiselbeermarmelade, einen Holzlöffel mit Kärntner Band, mehrere KLAR! Informationsfolder). Alle Schritte unserer Munggn-Maßnahme wurden auf der Website veröffentlicht und disseminiert.

Highlights

Wir haben zum Thema Munggn sehr viel Resonanz aus der Bevölkerung, aber auch außerhalb des Mölltals erhalten. Ein Nahrungsmittel, das über eine so lange Zeit – vom Goldbergbau an bis heute – in meist traditionell zubereiteter Form auf den Tisch kommt, ist schon etwas Besonderes. Obwohl für einige Mölltaler:innen die Munggn als „Arme-Leute-Essen“ aus der Vergangenheit nicht mehr als Gericht in Frage kommt, war es schön zu sehen, wie die Munggn dann doch sehr viele Einheimische inspiriert hat, sich wieder der Munggn zu widmen und auch ganz neue Interpretationen zu schaffen: so zauberte beispielsweise der aus der KLAR! Region stammende Haubenkoch Hans-Peter Sander beim Munggn-Schaukochen ganz spannende Munggn-Gerichte auf den Tisch. Ebenso inspirierte die Munggn die Wiener Künstlerin Mag.a Marie Kainz, die mit ihrer neuen Interpretation eines Munggn-Keramik-Geschirrs ganz neue Impulse zum Thema Munggn setzte. Auch junge Mölltaler:innen haben durch unsere Aktivitäten die „klimafitte“ Munggn wieder für sich entdeckt.

Empfehlungen für andere Regionen

Ein traditionelles Nahrungsmittel aufzugreifen, welches noch dazu in der Region selbst lange Zeit angebaut wurde und auch noch heute bei Einheimischen auf den Tisch kommt, eröffnet einen kreativen und breiten Zugang zum Thema Klimawandelanpassung und zur Bevölkerung. Geht es einerseits um die Recherche aus der Vergangenheit, geht es auch um Chancen einer Neuinterpretation der Munggn und des Wiederbeginns des Getreideanbaus in der Region in Zeiten des Klimawandels. Auch touristisch erhält das Thema aufgrund seiner Regionalität, Tradition und Nachhaltigkeit eine hohe Resonanz.

Foto KLAR! Managerin

Eine KLAR! Maßnahme mit einem Nahrungsmittel oder einer traditionellen Speise neuzeitlich sowie im Lichte des Klimawandels zu interpretieren, war für mich sehr positiv und inspirierend. Der Austausch mit Mölltaler:innen zu Rezepten, Anbaumöglichkeiten und auch touristischer Vermarktung hat neue Aspekte und Potenziale aufgezeigt. Die wissenschaftliche Analyse der Munggn von der FH Joanneum hat die Bedeutung der Maßnahme noch verstärkt und ermutigt, auch in der KLAR! Weiterführungsphase dran zu bleiben.“

Mag.a Dr.in Sabine Seidler