"Ein aktiver Klimaschutz in Kombination mit Klimawandelanpassung steht in direktem Zusammenhang mit dem Erhalt der regionalen Identität."
die Bürgermeister Albert Pitterle aus Hainfeld und Johann Gastegger aus St. Veit

KLAR! Klimawandelanpassung an der Gölsen

Geografisch liegt das Gölsental an der Grenze zwischen dem Wienerwald und den Gutensteiner Alpen im Süden von Niederösterreich. Der Gölsenfluss ist der größte Zubringer zur Traisen. Das Gölsental ist als kleine naturräumliche Einheit mit einer Ost-West-Ausdehnung von rund 15 km sehr homogen. Das verbindende und auch bestimmende Element ist die Gölsen bzw. das Wasser und der hohe Wald- und Grünlandanteil.

  • Tallage mit hohem Waldanteil von über 55 %
  • Hoher Grünlandanteil mit hauptsächlich mehrmähdigen Wiesen mit Milchvieh- und Mutterkuhhaltung
  • traditionelle Obstbauregion
  • 2 bevölkerungsstarke Hauptorte

Schon jetzt zeigt sich der Klimawandel im Gölsental durch eine Aneinanderreihung von Extremwettersituationen. So sind etwa deutlich längere Trockenperioden und dann intensive Starkniederschläge zu erwarten. Aber auch die Veränderung der Vegetationsperioden lässt nachhaltige Veränderungen für Land- und Forstwirtschaft bzw. die Tier- und Pflanzenwelt erwarten. Der Talboden steht unter einem starken Nutzungsdruck.

 

Beteiligte Gemeinden
Stadtgemeinde Hainfeld, Marktgemeinde St. Veit an der Gölsen

123 km²

7720 Einwohnerinnen und Einwohner

Webseite der Modellregion

Ansprechperson
Bgm. Johann Gastegger

Heutige Betroffenheit durch den Klimawandel

Beim Klimawandel hat die Zukunft schon begonnen, betroffen sind wir alle im Gölsental. St. Veit und Hainfeld haben bereits jetzt die Auswirkungen des Klimawandels im Gölsental zu bewältigen, weil einerseits Hochwässer durch extreme Niederschläge immer rascher anschlagen und kleinräumig Hangwässer zu beobachten sind und andererseits im Sommer die Gölsen immer öfter auszutrocknen droht. Ebenso nehmen die Quellschüttung in solchen Zeiten stark ab und der Grundwasserspiegel sinkt rasch, was Auswirkungen auf die Wasserversorgung und Viehwirtschaft hat. Durch die Veränderung der Vegetationsperioden und die zeitliche Verteilung von Niederschlag und Hitze ist die Grünlandwirtschaft und der Obstbau aber auch die Forstwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt.

Konkrete Ziele der Region und erwartete Ergebnisse

Das übergeordnete ZIEL der KLAR! sind SPEZIFISCHE MASSNAHMEN im Bereich der Klimawandelanpassung vor Ort in der Region in Verbindung mit dem Klimaschutz! Im Jahr 2019 wird mit Unterstützung von Fachleuten eine vollständige Aufarbeitung der regionalen Klima-Situation erfolgen und ein konkretes Anpassungskonzept erarbeitet. Dieser Prozess soll unter völliger Einbeziehung der Bevölkerung und aller Akteure durchgeführt werden.

HOCHWASSERSCHUTZ - bei der Umsetzung soll möglichst viel Naturraum erhalten bleiben, ohne den Schutz der Bevölkerung und der Infrastruktur zu beeinträchtigen. Ebenso soll in diesem Zusammenhang die Bodenerosion hintangehalten werden.

LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT - die Maßnahmen zur Anpassung der Land- und Forstwirtschaft an die zu erwartenden Folgen des Klimawandels sollen zu einer vermehrten Nutzung von trocken- und hitzeresistenten Kulturpflanzen und Mischwäldern und einer Anpassung der Bewirtschaftungsweise führen.

BEWUSSTSEINSBILDUNG – ergänzend zu den vielen einzelnen Umwelt-Aktivitäten in den Gemeinden soll die Schaffung der KLAR-Modellregion zu einer deutlich erhöhten Umsetzungsquote an Anpassungsmaßnahmen führen.

Vision im Hinblick auf Klimawandelanpassung

Die beiden Gemeinden waren bereits KEM-Gemeinden, sind Klimabündnis- und Bodenbündnisgemeinden und wollen mit diesem Programm auch eine aktive Klimawandelanpassungsmodellregion werden. Die Anpassung an den Klimawandel und die damit einhergehende Nutzung von Chancen ist wichtig für die Bevölkerung, die Land- und Forstwirtschaft sowie den Tourismus und damit insgesamt positiv für die Lebensqualität und die Wertschöpfung in der Region. Dies soll durch eine konsequente Weiterführung der vielfältigen bisherigen Bemühungen gewährleistet werden und dazu führen, dass das Gölsental frühzeitig die Herausforderungen erkennt, Maßnahmen ergreift und letztendlich klimafit sein wird.

Maßnahmen in Umsetzung

Niederschlag

  • Hochwasser-Maßnahmen an d. Gölsen u. den Zubringern (Schutz, Retention)
  • Hangwässer vermeiden (Raumordnung, LW, Kleinmaßnahmen)
  • Sicherung Trink- und Brauchwasserversorgung (Trinkwassermanagement, Bodenmanagement/Wasserspeicherung, Versickerung, Brauchwassersammlung)

Land- und Forstwirtschaft

  • Futterbaubetriebe/Grünlandwirtschaft (Humusaufbau, Besatzdichte, Futtergräser)
  • Waldmanagement, Know-How, Walddialog, klimafitte Baumarten u. Mischwald, Schadensbehebung zentraler Lebens- und Erholungsraum in der Tallage in den Ortsgebieten

Raumordnung im (Klima)Wandel

  • Versiegelung, Naherholungsflächen an der Gölsen, sommerliche Überhitzung in Gebäuden, innerörtlicher Grünraum
  • Schutz der Infrastrukturen (v.a. bzgl. Hochwasser)
  • Schaffung von Landschaftselementen Tourismus/Freizeitnutzung außerörtlich
  • Reaktivierung und Chancen der „Sommerfrische“
  • Winteraktivitäten bestmöglich anpassen

Bewusstseinsbildung

  • Etablierung der KLAR in der Bevölkerung mittels gezielter Medienarbeit und Veranstaltungen
  •  Chancen erkennen
  • Aufbau von spezifischem Know-How bei Akteuren in der Region und für die Region (aktive Einbindung Bevölkerung)
  • Bereitschaft zur Eigenvorsorge (Anpassungsmaßnahmen initiieren und umsetzen)