Liste der KLAR! Regionen

Ausblick von einem Berg aus über das Gebirge
"Auch wenn die Menschheit ab sofort auf fossile Energieträger verzichten würde, schreitet der Klimawandel voran. Die Holzwelt Murau setzt mit drei Zahnrädern [Erneuerbare Energie – Energieeffizienz - und Klimawandelanpassung] auf ein proaktives Handeln, um die Risiken zu minimieren und die Chancen zu nutzen. Zum Wohle der Natur und der Menschen in der Region!"
KLAR-Manager Mag. Erich Fritz

KLAR! Region Holzwelt Murau

Der Bezirk Murau ist geprägt von einer ländlichen Struktur mit einer starken regionalen Wirtschaft in Form von Klein- und Mittelbetrieben. Im Besonderen haben der Tourismus und die Land- und Forstwirtschaft einen hohen Stellenwert.

Der Bezirk Murau ist reich an den natürlichen Ressourcen Wasser, Sonne, Wind und Biomasse in Form von Holz, deshalb hat man bereits zur Jahrtausendwende die Energievision Murau formuliert: Murau will bei Wärme und Strom energiesouverän werden und sich selbst mit erneuerbarer Energie versorgen. Alle 14 Gemeinden des Bezirkes sind Klima- und Energiemodellregion und treiben die Energievision Murau mit dem gemeinsamen Regionalentwicklungsverein Holzwelt Murau konsequent voran. Die bisherigen Erfolge beruhen auf den langjährigen und erfolgreichen Kooperationen der Gemeinden des Bezirkes und deren wirtschaftlichen Akteuren (EVUs, Heizwerke, Installateure, Land- und Forstwirtschaft). Schon jetzt produziert die Region 3 Mal so viel Strom als verbraucht wird und 3 von 4 Gebäuden werden bereits CO2-neutral beheizt.

Der globale Klimawandel bedroht natürlich auch die Region Murau. Dessen Auswirkungen sind deutlich zu spüren (und zu sehen), deshalb will die Region proaktiv Anpassungsmaßnahmen entwickeln und koordiniert umsetzen. Um dies konsequent und partizipativ mit allen relevanten Akteuren umsetzen zu können ist Murau jetzt auch KLAR!-Region.

Beteiligte Gemeinden
Stadtgemeinde Murau (LEAD-Gemeinde), Gemeinde Krakau, Marktgemeinde Mühlen, Marktgemeinde Neumarkt in der Steiermark, Gemeinde Niederwölz, Stadtgemeinde Oberwölz, Gemeinde Ranten, Gemeinde St. Georgen am Kreischberg, Marktgemeinde St. Lambrecht, Marktgemeinde St. Peter am Kammersberg, Marktgemeinde Scheifling, Gemeinde Schöder, Gemeinde Stadl-Predlitz, Gemeinde Teufenbach
1385.48 km²
27449 Einwohnerinnen und Einwohner

Heutige Betroffenheit durch den Klimawandel

Murau ist aufgrund seiner inneralpinen Lage stark vom Klimawandel betroffen. Der Bezirk weist laut der Studie „Klimaszenarien für die Steiermark bis 2050“, umgesetzt vom Wegener Center im Auftrag des Landes Steiermark, die höchste prognostizierte Temperaturzunahme der Steiermark im Sommer und Winter auf. Auch bei der Prognose der Zunahme an Starkniederschlägen liegt man im negativen Spitzenfeld. Es treten vermehrt Starkniederschläge auf, die zu großen Schäden an der Infrastruktur und in der Land- und Forstwirtschaft führen. Zunehmend auftretende Trockenperioden gefährden vor allem die Trinkwasserversorgung und Vegetation – existenzbedrohende Ernteausfälle in der Landwirtschaft und Borkenkäferproblematik in der Forstwirtschaft. Generell kommt es durch tendenziell länger andauernde Witterungsverhältnisse (lange Trockenperioden, lange Hitzeperioden, lange Niederschlagsperioden) zu Verwerfungen im Ökosystem – Menschen, Tiere und Pflanzen erfahren gleichermaßen Stressbelastungen.

Konkrete Ziele der Region und erwartete Ergebnisse

Beim Klimaschutz ist die Region Holzwelt Murau dank ihrer schon zur Jahrtausendwende formulierten Energievision sehr weit: Es wird hier 3 Mal so viel Strom produziert als verbraucht und 3 von 4 Gebäuden werden mit erneuerbare Wärme versorgt. Die Thematik der Klimawandelanpassung hat für die Region hohe Relevanz. Mit der KLAR will und muss die Region vor allem kurzfristig das Bewusstsein für den Klimawandel und der Anpassungsnotwendigkeit an diesen schärfen.

Konkrete Ziele sind:

  • Unterstützung der Landwirtschaft bei Knowhow-Aufbau zur Entwicklung von Retentionsböden mit hohen Humusgehalten.
  • Der Aufbau von klimafitten Wäldern
  • Die Biodiversität stärken und ein zwar verändertes aber intaktes Ökosystem in der Region erhalten.
  • Erkennen von Naturgefahren und entwickeln von standortbezogenen Gegenmaßnahmen mit natürlichen und angepassten Methoden - und kontinuierliche Umsetzung.
  • Eine resiliente Energieinfrastruktur sowie eine gesicherte Wasserversorgung, die lange Trockenperioden aber auch Starkniederschläge standhält.
  • Die Nutzbarkeit der Räume vorausschauend auf die geänderten Klimabedingungen zu prüfen, zu entwickeln und zu gestalten.
  • Durch Bewusstseinsbildung für ökologisches und energieeffizientes Bauen und Sanieren bis 2050 zu 100% klimafitte Gebäude in der Region zu haben.

Vision im Hinblick auf Klimawandelanpassung

Die generelle Vision der Region Murau ist ein intakter Lebensraum im Zusammenspiel von attraktiver öffentlicher Infrastruktur (Kindergärten, Schulen, Kunst und Kultur, Freizeit, medizinischer Versorgung und Altersvorsorge), einer starken regionalen Wirtshaft, einem nachhaltigen Tourismus und einem nachhaltigen Umgang mit der Natur. All diese Parameter werden dazu beitragen eine Trendumkehr beim demographischen Wandel herbeizuführen. Sie können sich nur dann gut entwickeln, wenn einerseits die Energiewende gelingt und andererseits eine Anpassung an den von der Region selbst nicht beeinflussbaren Klimawandel umgesetzt wird.

Maßnahmen in Umsetzung

Landwirtschaft: Entwicklung der landwirtschaftlich genutzten Flächen hin zu Retentionsböden mit hohem Humusanteil für eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Starkniederschlägen und langen Trockenperioden.

Forstwirtschaft: Umbau der Bestandszusammensetzung hin zu Mischwäldern mit einer möglichst naturnahen Bewirtschaftung hin zu klimafitten Wäldern.

Biodiversität und (Wild)Tiergesundheit: Entwicklung eines interdisziplinären Ansatzes mit den Anspruchsgruppen aus Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus, um effektive Strategien zur Erhaltung der Biodiversität und (Wild)Tiergesundheit einzuleiten.

Gegenstrategien für Naturkatastrophen: Entwicklung von Konzepten für mehr Versickerungsflächen, klimafitte Bewirtschaftung der Bach- und Flussränder, Renaturierung von falsch verbauten Gerinnen, klimafitte Bewirtschaftung von Böschungen und Straßenrändern.

Sicherung der Strom- und Wasserinfrastruktur: Die Stadt Murau kann im Falle eines großflächigen Blackouts schon jetzt mit regionalem Strom versorgt werden. Durch die physische Vernetzung der 5 Netzbetreiber der Region soll diese Fähigkeit auf den gesamten Bezirk ausgedehnt werden. Die Wasserinfrastruktur ist zwar gut ausgebaut und es gibt ausreichend Gebirgsquellen aber an einzelnen Versorgungsanlagen ist in jüngerer Vergangenheit bereits Wasserknappheit aufgetreten – diese müssen evaluiert und bei Bedarf neue Quellen erschlossen werden.

Angepasste Raumordnung: Entwicklung einer klimawandelangepassten Raumordnung, um wirkungsvoll auf zukünftige Herausforderungen von Naturkatastrophen vorbereitet zu sein.

Ökologisches und klimafittes Bauen: Langfristige Anpassung von Bau- und Sanierungsmaßnahmen an den Klimawandel (ökologische Baustoffe, gute Dämmwerte, mehr Energieeffizienz) durch Bewusstseinsbildung und Vorbildwirkung der Gemeinden.

(Stand Mai 2021)

Unternehmen welches Holzwärme bereitstellt mit einem Hackschnitzel-Wagen im Vordergrund
Radfahrer in einer Bergregion
Foto des KLAR! Managers